Was ist Intuition? – Luise Lohkamp

Sprachlich leitet sich der Begriff der Intuition aus dem lateinischen „intueri“ ab, welches genau hinsehen beziehungsweise anschauen, bedeutet. Die Intuition ist gefühltes Wissen, das man nicht begründen kann. Das unbewusste Wissen und Arbeiten unseres Gehirns ist die Grundlage für Intuition, welche ohne Nachdenken zustande kommt. Intuitive Ideen, Gedankenblitze oder das sogenannte Bauchgefühl lassen sich nicht rational erklären. Sie sind vielmehr Impulse, deren Entstehung oder Herkunft nicht begründet werden können 

Der US-amerikanische Arzt und Psychiater Eric Berne definierte Intuition folgendermaßen: „Eine Intuition ist Wissen, das auf Erfahrung beruht und durch direkten Kontakt mit dem Wahrgenommenen erworben wird, ohne dass der intuitiv Wahrnehmende sich oder anderen genau erklären kann, wie er zu der Schlussfolgerung gekommen ist.“ Er widmete der Intuition ein eigenes Buch: Intuition and Ego States (Berne, E., 1977). Berne beschreibt, wie vorbewusst wahrgenommene Sinneseindrücke unter der Bewusstseinsebene zu Merkmalsbündeln und somit zu einem Eindruck zusammengefügt werden. In einer verbalen oder nonverbalen Symbolisation wird dieser Eindruck dem Bewusstsein verfügbar gemacht. Diese Symbolisationen können beispielsweise Bilder, Begriffe, Gefühle, Träume oder Körperwahrnehmungen sein. 

Intuition ist aber mehr als geronnene Erfahrung. Die neuere Forschung über die Spiegelneuronen (Bauer, 2006) verdeutlicht, wie andere intuitiv miterleben, was wir erleben. Es werden zunehmend  Erklärungsansätze unterschiedlicher Disziplinen  wie beispielsweise die der Somatischen Marker (Damasio 1994, Storch, 2016) oder der Morphischen Felder (Sheldrake, 2009) für die Intuition geliefert.

C. G. Jung hat die Intuition als eine grundlegende menschliche Funktion bezeichnet, die das Unbekannte erforscht und Möglichkeiten ahnt, die noch nicht sichtbar sind. Die Intuition kommt im Gegensatz zur wissenschaftlichen Vorgehensweise nicht vom Teil zum Ganzen, sondern erfasst direkt das Ganze.

 

Wir können verschiedene Aspekte der Intuition unterscheiden:

  • die Begabung, spontan gute Entscheidungen „aus dem Bauch heraus“ zu treffen
  • die schnelle eingebungsmäßige Einsicht in Zusammenhänge sowie das Entstehen neuer Erfindungen und Ideen (beispielsweise der im Traum entdeckte Benzolring)
  • das Einfühlungsvermögen in intrapsychische Aspekte (Emotionale Intelligenz)
  • der sogenannte gesunde Menschenverstand, mit dem wir sowohl durch unser Bauchgefühl wie auch mithilfe unserer Erfahrungen komplexe Situationen beurteilen können.
  • das Vorausschauende, welches das Potential, die Möglichkeiten, das noch Fehlende erahnt.

 

Insgesamt steht Intuition für ein spontanes und ganzheitliches Erkennen oder Wahrnehmen, welches wir als Grundlage für vielfältige Anforderungen im Alltag nutzen können.