Generation X, Y oder Z? Coachingthemen unserer Klienten: Ähnlich oder nicht? – Christiane Jost

Die Geister streiten sich: Gibt es die generellen Unterschiede zwischen den Generationen, die ihnen von vielen zugeschrieben werden? Und wo fängt die eine Generation an und wo hört die andere auf?  Es gibt viele Untersuchungen, empirische Forschungen und Theorien über die Klassifizierung unterschiedlicher Selbstverständnisse, denen Personengruppen unterschiedlichen Alters zugeordnet werden.

In diesem Kontext stellt sich die Frage, wie sich solche Ansätze in der Arbeit mit Coaching-Klienten wiederfinden und welche Aussagen sich daraus ableiten lassen? 

 

Die Vielfältigkeit meiner Klienten, egal ob im Hinblick auf das Alter, die Branche, die Ausbildungsschwerpunkte und vor allem auf die sehr unterschiedlichen Persönlichkeitstypen motiviert mich, meinen ganz persönlichen Blick auf soziologische Phänomene generationsspezifischer Coachings zu öffnen.

 

Wenn wir von Agilität, Disruptive Thinking, Interaktion, Komplexität, Netzwerken als wesentliche Kernelemente der modernen Arbeitswelt hören oder lesen, dann taucht schnell auch der Begriff Generation Y auf.  

 

Sicher findet man unter diesen Personen in vielen Fällen gut ausgebildete, gut informierte Persönlichkeiten, die durch das Aufwachsen mit Internet und mobiler Kommunikation jederzeit in der Lage sind, das nötige Wissen schnell und in seiner Komplexität abzurufen. Vielleicht lässt sich auch eine Veränderung der Motivationsanreize gegenüber älteren Generationen feststellen. Es geht bei dieser Zielgruppe weniger um Statussymbole, als um ein Vorwärtskommen im Beruf, das auch durch Freude, Sinnerfüllung und flexiblere Arbeitszeitideen gekennzeichnet ist. Schon bei einer Auftragsklärung im Coaching werden diese Themen schnell prägnant.  

 

Ein in Teilen vermehrtes Selbstbewusstsein macht den Eindruck möglich, dass sich Personen der Generation Y die Frage erlauben: was tut das Unternehmen für mich anstelle der Frage: was kann ich für das Unternehmen tun?

 

Vielleicht fällt es jüngeren Klienten leichter, sich zeitnah auf einen Coachingprozess einzulassen. Die Offenheit im Erstkontakt mag größer sein. Weil sich Coaching in den Unternehmen weiter als erfolgreiches Personalentwicklungsinstrument etabliert hat? 

 

Was die Inhalte der Coachings insgesamt mit allen Altersgruppen betrifft, wird deutlich, dass es keine wesentlichen Unterschiede bei den Kernthemen und Zielen für das Coaching gibt. Sicher ist die Herangehensweise der Klienten an bestimmte Aufgaben und Zielsetzungen different, die Haltungen und Einstellungen jedoch liegen oft sehr dicht beieinander, so dass sich generationenübergreifend folgende Kernthemen abzeichnen:

 

  • Eigene Positionierung im volatilen Umfeld einer Organisation
  • Umgang mit dem Grad an Skepsis gegenüber Hierarchien und flachen Führungsstrukturen sowie dem eigenen hohen Anspruch an Führung
  • Etablierung einer offenen Kritik-, Feedback- und Konfliktkultur gerade in Bezug auf ältere bzw. jüngere Kollegen auf Vertrauensbasis
  • Transparente, vernetzte Kommunikation
  • Eigener Anspruch, Innere Antreiber
  • Umgang mit Emotionen
  • Veränderungsbereitschaft
  • Vom Mitarbeiter zum Vorgesetzten
  • … 

 

Es fällt auf, dass in unseren Coachings vermehrt Themen auftauchen, wie zum Beispiel, der Umgang mit Kollegen aus anderen Generationen sei schwierig, da sie nicht (mehr) das gleiche bzw. ein ähnliches Verständnis von Führung haben. Ob das jemals so gewesen ist?

 

Sicher gibt es unterschiedliche Ausgangsvoraussetzungen und diese gilt es durch den Coachingprozess vermehrt mit Wertschätzung zu sehen und gemeinsam in den Lernprozess aller Beteiligter zu integrieren. Es mag sein, dass auf den ersten Blick unterschiedliche Ansprüche an die Mitgestaltung der Zukunft bestehen, das Führungsverständnis zunächst ein anderes ist. 

 

Es gilt, mit den Klienten im Coaching daran zu arbeiten, das Verständnis füreinander zu verstärken und konstruktive Lösungen für den Umgang miteinander zu erarbeiten. 

 

Was alle vereint, ist eine große Bereitschaft auf die verschiedenen Generationen zuzugehen!

 

Und so mancher Klient mittleren oder sogar fortgeschrittenen Alters zeigt sich im Coaching deutlich mehr den Kriterien der Generation Y zugehörig als jemand um die Dreißig. Andersherum entsprechend. 

 

So lässt sich in vielen Fällen sagen, dass sich Mitarbeiter mit unterschiedlich ausgeprägten Polaritäten, zum Beispiel Beständigkeit und Wandel oder Dominanz und Loslassen in gemischten Teams gegenseitig bereichern. Im Coachingverlauf wird uns dieses oft gespiegelt und unser Klient wächst persönlich daran. Oft profitieren Klienten somit gegenseitig zum Beispiel im Hinblick auf Improvisation in Bezug auf „turbulente“ Situationen und Souveränität in der Lösungsfindung.

 

Generationenübergreifend herrscht auch Einigkeit darin, dass viele Klienten an persönliche Hürden kommen, wenn es darum geht, in agilen Kontexten den Output des Teams insgesamt in den Fokus zu stellen.  Manchmal steht dieses ambitionierten (zukünftigen) Führungskräften im Wege, egal welcher Generation sie angehören.

 

Es gibt hoffnungsvolle Tendenzen zu beobachten, dass durch ein verstärktes Integrieren der Themen Gesundheitsmanagement und Umgang mit psychischen Belastungen in den beruflichen Alltag in nachfolgenden Generationen sorgsamer damit umgegangen werden könnte, da gerade Klienten als Nachwuchsführungskräfte dieses Thema für sich verstärkt im Blick haben.  

 

Zum einen ist die Diversität der Generationen eine Herausforderung für die Unternehmen, zum anderen die große Chance, Antworten auf die anstehenden Fragen des permanenten Change zu finden, um Führungskräfte mit (noch mehr) visionärer Gestaltungskraft zu entwickeln. Schließlich definiert sich Führung immer weniger über Rolle, Wissen, Expertise und Position, sondern vielmehr über ein agiles Verständnis von Selbstreflexion, Vertrauen, Wertschätzung und Verantwortung. Diese Tatsache ist immer wieder zentrales Thema im Coaching über alle Altersgruppen hinweg.

 

Wie bereits erwähnt, fällt es manchen Klienten schwer, dass der Teamgedanke gegenüber dem Einzelerfolg an Bedeutung gewinnt, egal, welcher Altersgruppe sie angehören. Verbindend ist: Eigeninitiative, Verantwortung, Sinngebung und Mut sind wesentliche Werte, die die Entwicklung aller Altersgruppen im Coaching prägen. Es zeigt sich, dass altersgemischte Teams gemeinsam die Herausforderungen der volatilen Zeiten mit inspirierenden Führungspersönlichkeiten meistern können, die Wert auf ein vermehrtes gegenseitiges Verständnis als Basis für mehr Kooperation legen. Dafür brauchen wir alle Generationen! Wir sind gespannt auf die Einflüsse der heranwachsenden Generation Z.

 

Als Trainer und Coach sind wir gefordert, uns als Vermittler zwischen den Generationen für altersgemischte Flexibilität, Effektivität und Freude an der Arbeit einzusetzen. Und zugleich weiter die Vielfältigkeit und Individualität aller Klienten zu fördern.