Wie beeinflusst Intuition unsere Entscheidungen? – Klaudia Söllner

Intuition ist nicht der Blick in die Glaskugel, sondern beruht auf dem Erfahrungswissen, das Menschen im Laufe ihres Privat- bzw. Berufslebens erworben haben. Auf dieser Grundlage bewertet unser Gehirn blitzschnell und unbemerkt jeden aktuellen Sachverhalt – und kommt schneller zu einer Entscheidung, als dies durch rationale und bewusste Bearbeitung möglich wäre.
Es handelt sich hier um das adaptive Unbewusste, eine Art Prozessor in unserem Gehirn, der schnell und unbemerkt Unmengen von Daten verarbeitet.

Intuitive Entscheidungen sind sinnvoll:

  • In komplexen Themen- oder Problemstellungen. Diese Situationen zeichnen sich dadurch aus, dass nicht genügend Daten zur Verfügung stehen oder zu viele Informationen zum Thema vorliegen. Auch bei widersprüchlichen oder unsicheren Informationen dient Intuition der Entscheidungsfindung.
  • Viele Entscheidungssituationen erfordern die Berücksichtigung zahlreicher Entscheidungskriterien. Hier besteht die Herausforderung darin, die wenigen wirklich Wichtigen zu identifizieren.
    „Weniger ist mehr…“
    Entscheidungsträger, die sich auf einen guten Grund verlassen, können bessere Entscheidungen treffen, da sie nicht Gefahr laufen, sich in der Komplexität der Kriterien zu verstricken. Ein komplexes Problem kann häufig durch eine einfache Strategie gelöst werden.

Im Management tut man sich oft schwer, intuitive Gefühle bzw. Entscheidungen offen anzusprechen. Grund dafür ist, dass ein Gefühl nicht anhand von Fakten belegt werden kann.

In diesen Fällen werden intuitive Entscheidungen in das rationale Korsett geschnürt indem:

  • Ersatzgründe bzw. vorgeschobene Argumente genutzt werden, um das Bauchgefühl zu begründen. Häufig entstehen dadurch endlos Diskussionen, Missverständnisse und Konflikte. Entscheidungen werden verzögert und Ressourcen in Form von Zeit und Geld verschwendet.
  • Um das Bauchgefühl zu legitimieren, werden Dritte (z.B. Berater) eingebunden. Durch eine umfassende Analyse von Daten und Fakten wird das Bauchgefühl belegt. Hintergrund für diese Vorgehensweise ist die Sorge, bei Fehlentscheidungen allein verantwortlich zu sein.
  • Trotz ungutem Gefühl gehen Personen in eine defensive Anpassung an analytisch belegte Entscheidungskriterien. Bei Misserfolgen bleiben alle unangreifbar, da sie den Schutz der Mehrheit bzw. der Fakten genießen. Diese Haltung kostet Unternehmen sehr viel Geld. 

Manager und Führungskräfte verfügen aufgrund ihrer Erfahrungen über einen großen Schatz an Entscheidungskriterien. Oft wirken sie intuitiv und lassen sich nur schwer in Worte fassen.
Wenn das Bauchgefühl in den Organisationen gleichberechtigt mit den Daten, Fakten und Zahlen wahrgenommen wird, öffnen sich neue Wege schneller und flexibler auf Veränderungen zu reagieren.