Und wenn ich mich mit meiner Intuition angefreundet habe? – Luise Lohkamp

Zum Glück lassen wir uns beispielsweise von Parship nicht ganz die Entscheidung abnehmen, mit wem wir eine Beziehung eingehen. So ganz ohne Bauchgefühl geht es wohl dann doch nicht.

Ich bringe ein eigenes Beispiel, nicht von Parship, sondern im beruflichen Kontext aus meiner Beraterrolle heraus.
Wenn ich zu Beratungsaufträgen angefragt werde, habe ich meist eine Stunde Zeit, um mir mit dem Klienten(system) ein Bild zu machen. Sei es im Coaching mit dem potenziellen Klienten, im Vorgespräch zu einer Teamentwicklung beziehungsweise Konfliktmoderation oder mit der Geschäftsführung bei einer Change-Maßnahme für Führungskräfte.

Das ist nicht viel Zeit. Ich kann meiner Intuition insoweit trauen, als dass ich die Gewissheit habe, dass mir sinnvolle Fragen einfallen, die den relevanten Fokus herausschälen als auch, dass ich ein sicheres Gefühl bekomme, ob ich bei diesem Auftrag wirksam hilfreich werden kann oder auch möchte.
Welche inneren Fragen leiten mich beispielsweise hierbei? – Bekomme ich ein Bild von dem, was das eigentliche Thema des Klienten(systems) ist? – Und entsteht ein attraktives Bild des Klientenwunsches? – Spüre ich eine Bereitschaft, mit mir in Kontakt zu gehen und sich auf den Weg ins Neuland zu machen? – Entsteht Leichtigkeit und Motivation bei mir selbst, wenn ich an den Auftrag denke? – Welche Landkarten fallen mir spontan ein, die mir helfen, Komplexität sinnvoll zu reduzieren und die mich in meiner Arbeit mit diesem System leiten können?

Wenn ich mich auf das „Glatteis“ begebe, alles rational verstehen zu wollen, was an Informationen kommt, die Komplexität im Detail durchdringen zu wollen oder mich gegen eine innere Blockade zu zwingen, dann zahle ich aus meiner Erfahrung heraus dafür einen hohen Preis: ich quäle mich mit der Konzeption (spätestens da heißt es für mich, die Reißleine zu ziehen) oder ich arbeite in einem zähen Workshop oder Coaching ohne große Motivation aller Beteiligten mit der Gefahr, wenig oder keinen Nutzen zu stiften. Nicht schön!

Vielleicht kennen Sie ähnliche Situationen aus Meetings, Arbeitsgruppen, Workshops oder auch für sich alleine, wenn die innere Gewissheit und Leichtigkeit verloren gehen. Meist hat dies Bedeutung. Und an diese kommen wir eher heran, wenn wir unsere Intuition befragen.

Wichtig ist, an der eigenen Persönlichkeitsentwicklung zu arbeiten, um den Einfluss alter Themen auf die eigene Intuition zu minimieren. Wenn ich einen Auftrag nur ablehnen würde, weil mich der Auftraggeber unbewusst an meinen alten Mathelehrer erinnert und ich daher drohen würde, mich abzuwerten, dann wäre das schade.

Laut Laloux (2015) können wir auch in der Intuition Weisheit finden. Mit der Intuition würdigen wir die komplexe, vielschichtige, paradoxe und nicht-lineare Natur der Wirklichkeit. Wie das logische Denken auch, können wir die Intuition wie einen Muskel trainieren. Wenn wir lernen, die Intuition wertzuschätzen und bei wichtigen Aspekten unseres Lebens zu befragen, werden immer häufiger intuitive Antworten auftauchen.